Linuxinstallation mit einem Newbie – ein Erlebnisbericht

Posted on März 16th, 2008 by UIT under Allgemein, Debian-AMD64.

Linux ist ja bekanntlich sowas von schwierig !“, hört man immer wieder sagen. Nun, daß dem nicht so ist, soll anhand dieses Berichtes einmal beleuchtet werden.

In den letzten 3 Tagen habe ich mit einer Bekannten, absolute Linux-Anfängerin, eine Linux-Installation per Telefon begleitet. Sie hatte ein Laptop mit zwei Windowspartitionen, und wollte gern Linux auf den Rechner haben, weil Sie vom (Zitat) “umständlichen Windows und den schwierigen Treiberorgien” sowie der Lizenzpolitik einfach die Faxen dicke hat !

Die Installation ging dabei in mehreren Schritten von sich:

1. Wichtige Daten sichern
2. Partitionen löschen und Platte “C:” verkleinern
3. Linux-Partitionen erstellen
4. Linux Grundsystem installieren
5. Linux konfigurieren (inklusive WLAN)
6. Gewünschte Applikationen installieren und konfigurieren
7. Hardware einrichten (Drucker, Webcam etc.)

Hinweis: Ich hatte zu keiner Zeit Zugriff auf den Rechner, da der Router SSH blockte. Somit musste sie alles selbst eingeben und hatte als einzige Hilfe meinen telefonischen Support.

Vorgehensweise

Tag 1./Zeitdauer 3h

Unter Windows wurden benötigte Werkzeuge aus dem Internet besorgt: Gparted-Livefile-CD, die Installations-CD von Debian-GNU/Linux sowie zwei von mir zur Verfügung gestellte Dateien: “sources.list” und “Paketliste.txt“. Letztere erzeugt man aus einem bestehenden System mit dem Kommando “dpkg –get-selections ‘*’ > Paketliste.txt“.

Mit Hilfe der Gparted-Livefile-CD wurden die entsprechenden Partitionen geloscht und die Partition “C:” von 40GB auf 20GB ohne Datenverlust verkleinert.

Nachdem das geschehen war, konnte das Installationssystem gestartet werden, und es wurden manuell die Partitionen und Mountpoints angelegt. Jeweils eine für /boot (512MB, ext2), / (10GB, ext3), swap (2GB, swap), /home (15GB, ext3), /usr (15GB, ext3) und /var (Rest, ext3).

Jetzt konnte das Grundsystem installiert werden, die Netzwerkverbindung per Kabel eingerichtet werden und das Profil “Desktop” installiert werden.

Dabei wurde auch ein Benutzer angelegt. Viele Erklärungen am Telefon halfen der Bekannten zu verstehen, was gerade passiert und vor allem, warum man dies oder jenes so macht und nicht anders.

Nachdem alle Installationsschritte sauber durchlaufen waren, konnte das System neu gestartet werden, was auf Anhieb funktionierte. Auch das bereits bestehende Windows funktionierte einwandfrei. Nach der Veränderung von Partitionen ist immer ein Start von Windows notwendig, damit die FAT (File Allocation Table) der Windows-Partition neu geschrieben wird. Auch dies lief einwandfrei und es ergaben sich keine Fehler.

Nach dem Kopieren der Datei “sources.list” nach /etc/apt/ konnte die Paketliste über “apt-get update” neu eingelesen werden und mithilfe des Kommandos “apt-get dist-upgrade” das System auf den neuesten Stand gebracht werden.

Auch hier lief alles ohne Probleme.

Tag 2./Zeitdauer 3h

Nachdem dies erledigt war konnte die vorgefertigte Paketliste eingelesen werden. Dies erleichterte der Bekannten das (auch unter Windows mühsam notwendige) Suchen und Zusammensammeln der wichtigsten Programme.

Die Liste wurde mit einem einfachen Kommando eingelesen werden: “dpkg –set-selections < /pfad/Paketliste.txt

Natürlich musste ich hier das Kommando per Telefon angeben. Die Handhabung in der Shell ist für einen Anfänger sehr ungewohnt. Allerdings konnte ich im Laufe der Installation feststellen, dass auch hier Übung einen Meister macht.

Jetzt konnten mit dem Kommando “apt-get dist-upgrade” die fehlenden Programme (man nennt das auch Pakete) nachinstalliert werden.

Dies dauerte eine ganze Weile, da ca. 600MB Daten über eine DSL-2000 Leitung aus dem Internet gezogen werden mussten.

Nach dem Herunterladen der Pakete packen sich die Pakete selbständig aus. Einige Applikationen erfordern jedoch vom Benutzer eine Eingabe (meist Ja oder Nein, ganz selten mal einen Wert). da es für jede Eingabe auch eine Erklärung über die Zusammenhänge in einem Informationsfenster gibt, habe ich meine Telefonpartnerin raten lassen, was eingetragen werden muss. Hierbei musste ich nur in wenigen Fällen korrigieren.

Wenn alle Fragen beantwortet wurden, entpacken sich die Pakete und installieren sich selbst.

Tag 3./Zeitdauer 3h

Am dritten Tag haben wir uns mit Finetuning beschäftigt. Da bereits eine grafische Oberfläche vorhanden war und der X-Server im VESA-Mode einwandfrei startete, konnte meine Bekannte mithilfe des grafischen Paketinstallers “Synaptic” sehr komfortabel noch einige weitere nützliche Pakete nachinstallieren. Dies ging einfach per Mausklick und ich musste auch hier keine Erklärungen dazu abgeben.

Etwas problematisch gestaltete sich die grafische Bedienung als Administrator “root“, da der Login-Manager KDM per default ein Einloggen als “root” aus Sicherheitsgründen per default nicht erlaubt. Um das so zu belassen, aber trotzdem mit Root-Rechten Dateien bearbeiten zu können, wurden einfach in der Shell unter X mithilfe von “sux” Root-Rechte für den X-Server erworben und per Kommando der grafische Editor “kwrite” gestartet.

Mit diesem Trick konnte jetzt in der Konfigurationsdatei “/etc/network/interfaces” die notwendigen Einträge für die WLAN-Karte nach meiner telefonischen Anleitung eingetragen werden.

Leider bedingt die im Notebook eingebaute WLAN-Karte der Fa. Atheros das kompilieren des Kernelmoduls “madwifi“.

Für meine Bekannte war das mithilfe des Programms “module-assistant” jedoch einfach zu lösen. Hierbei handelt es sich um ein halbgrafisches Werkzeug, welches für das Bauen von Kernelmodulen optimal geeignet ist. Indem man die einzelnen Schritte in dieser Textoberfläche durchgeht und ausführt, installiert das Programm zuerst die notwendigen Kernel-Header, lädt dann den oder die entsprechenden Quellcode(s) aus dem Internet herunter, baut daraus ein fertiges Debianpaket und installiert es selbständig.

Auch dieses Problem wurde somit meisterhaft gelöst, und ebenso ergaben sich hier keine Fehler. Das notwendige Kommando “depmod -a” wurde von mir übergangen, ich habe sie einfach angewiesen den Rechner neu zu starten, da beim Hochfahren des Rechners, dieses ausgeführt wird und ebenso neue Kernelmodule korrekt geladen werden (autoloader).

Es zeigte sich, dass meine Gedanken korrekt waren, denn der Zugriff auf den WLAN-Router funktionierte sofort.

Zum Schluß wurde der Drucker eingerichtet. Es handelte sich um einen Drucker von HP, welcher von Haus aus von Linux unterstützt wird.

Hierbei wird der Drucker über einen Browser (http://localhost:631) eingerichtet. Die Konfiguration erklärt sich von selbst, auch hier musste ich keine Schützenhilfe leisten. Alles klappte reibungslos.

Die vorhandene Webcam funktionierte benfalls sofort (OV511-Chip), lediglich die Anwenderprogramme “Kopete” und “Ekiga” mussten entsprechend konfiguriert werden, was ohne meine Hilfe gelang.

So weit so gut. Im Grunde war damit alles eingerichtet.

Probleme gab es eigentlich nur mit “Iceweasel” (das Linux-Pendant zu Windows-“Firefox“) und Java. Vermutlich lag das aber an Iceweasel selbst, da auch andere Linux-User das gleiche Problem hatten, wie eine schnelle Google-Suche bestätigte. Sie nutzt daher den Browser “Konqueror“.

Alles in allem klappte die Installation reibungslos. Die meiste Zeit nahmen die Downloadzeiten in Anspruch (insgesamt ca. 3h) und die Vorbereitungen wie z.B. Windows-Daten sichern, Partitionen verschieben und natürlich die begleitenden Erklärungen.

Als Feedback habe ich zurückbekommen, dass sie (Zitat) “…eine Menge gelernt hat, alles viel schneller läuft und stabiler zu laufen scheint.” Wundert es jemand ? Es ist Linux !

Mit KDE kommt sie gut klar, es sei (Zitat) “…alles viel einfacher und strukturierter als unter Windows, und auch das Installieren von Programmen und Treibern…” (Anm: damit meint sie “Erkennung von Hardware etc.”) “..wäre viel einfacher und schneller als unter Windows.”.

Nun ja, ich glaube das jetzt einfach mal. 🙂

Ich persönlich hatte es mir schwieriger vorgestellt, da meine Bekannte mit Computern eh noch nicht so erfahren ist und bei Linux doch einiges nicht vorkonfiguriert ist. Und zufrieden ist sie dabei auch noch !

Zusammenfassend kann man sagen: Die Installation lief reibungslos, auch für einen Laien. Die Bedienung ist einfacher und intuitiver.

Alles in allem ein voller Erfolg, sowohl physisch als auch psychisch !

Hans-J. Ullrich (Ullrich-IT-Consult, admin)

P.S. Kommerzieller Installationssupport , auch vorort, kann gerne (je nach Vereinbarung) geleistet werden.

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